«Integration gelingt nur, wenn beide Seiten aktiv aufeinander zugehen und einen wert- schätzenden Umgang miteinander pflegen. Unsere Lehrlinge wurden hervorragend vorbereitet, wodurch schnell Freundschaften entstanden sind und das Projekt schliesslich zum Selbstläufer wurde. Daniel Bitschnau, Leiter Berufsausbildung Werk 4 Unterstützt von der Hilti Foundation, haben junge Kriegsflüchtlinge während der Flüchtlingskrise 2015 in Deutschland und Österreich eine neue Perspektive gefunden: eine Ausbildung bei Hilti. So kam Sayed Jafari 2017 als Lernender im Maschinenbau ins Werk 4 nach Thüringen. Dieses Jahr hat er seine Meisterprüfung mit Auszeichnung abgeschlossen – und noch viel vor. «Servus! Wia goht’s?» tönt es in fröhlichem Vorarlberger Dialekt aus dem Lautsprecher. Das Interview findet per Teams statt. Wenn man den 22-Jährigen reden hört, könnte man meinen, er sei im Ländle aufgewachsen. Doch Sayed ist in Afghanistan geboren und vor mehr als acht Jahren, mit 14, alleine nach Öster- reich geflüchtet. Seine Geschichte erzählt vom Ankommen und davon, warum Ziele, Chancen und gute Mentor:innen die wichtigsten Fixsterne auf dem Weg eines jungen Menschen sind. Hallo Sayed, erzähl mal, woran arbeitest du gerade? Sayed: Gerade komme ich von der Montage. Meine Kolleg:innen und ich arbeiten gerade an der Diamantwandsäge DST 20. Seit meiner Meisterprüfung im Juli arbeite ich im Team von Alexander Eberlein und bin zuständig für die Montage schwerer Diamant- geräte. Wir sind vier Leute und es macht mir viel Spass, denn ich lerne viel und wir sind ein gutes Team. Das klingt nach einem geglückten beruflichen Einstieg. Warst du immer schon so zielstrebig? Sayed: Für mich war klar, dass ich etwas Technisches machen wollte. Mir gefallen die Teamarbeit und die Präzision, mit der gearbeitet wird. Zudem sind die Geräte einfach sehr gut. Dass mich mein Weg zu Hilti geführt hat, war allerdings Zufall – oder eher Glück. Mit 16 Jahren habe ich im Asylheim in der Nähe von Feldkirch gewohnt, wo wir über die Organisation Integra ver- schiedene Programme wie Deutschkurse, Unterstützung bei der Lehrstellensuche etc. hatten. Mein Ziel war es von Anfang an, schnell Fuss zu fassen und mir hier ein Leben aufzubauen, das mir eine gesicherte Zukunft ermöglicht. Dazu, das war mir klar, muss ich die Sprache beherrschen und brauche eine gute Aus- bildung. Wie kamst du dann zu Hilti? Sayed: An einem Tag war auch Markus Grass, der Lehrlings- ausbilder vom Werk 4 da und hat zusammen mit einem Lernen- den die Ausbildung zum Maschinenbautechniker vorgestellt. Da hat es bei mir direkt Klick gemacht und ich habe mich noch am selben Tag bei ihm für einen Schnuppertag beworben. Danach hat es mir noch mehr getaugt und ich habe drei Monate ein Praktikum gemacht, wo wir sechs Wochen in der Lehrwerkstatt waren und dann noch mal sechs Wochen in verschiedene Ab- teilungen reinschauen konnten. Kurze Zeit später habe ich dann meine Ausbildung zum Maschinenbauer mit Schwerpunkt Auto- matisierungstechnik begonnen. Was würdest du sagen, sind neben dem fachlichen Know- how deine wichtigsten Erkenntnisse? Sayed: Ich bin sehr diszipliniert, wenn es darum geht, etwas zu erreichen, was mir wichtig ist. Und ich habe gelernt, Chancen zu ergreifen, wenn sie sich mir bieten. An meinem Beruf finde ich besonders spannend, an neuen Technologien zu tüfteln und mit den unterschiedlichsten Menschen zusammenzuarbeiten. Anderen zuzuhören, zu beobachten und Fragen zu stellen, hat mir geholfen, meinen Weg zu finden. Ausserdem hatte ich schon früh ein Ziel vor Augen, wie ich mir mein Leben vorstelle. Es gab aber auch Zeiten, insbesondere als im vierten Lehrjahr mein Vater verstorben ist, in denen ich dachte, dass ich meine Aus- bildung nicht fortsetzen kann. Ich dachte, ich muss etwas an- deres machen und meine Familie mehr unterstützen. In diesen Momenten hat mich vor allem mein Ausbildungsleiter Daniel Bitschnau aufgefangen, mich in meinem Weg bestärkt und mir Lösungswege aufgezeigt. Menschen auf seinem Weg zu treffen, die einen ein Stück tragen, wenn man selbst den Weg nicht mehr sieht, ist grosses Glück. Die Meisterprüfung hast du jetzt in der Tasche, was ist dein nächstes Ziel? Sayed: Die Entwicklung von Prototypen interessiert mich sehr. Eine grosse Motivation während der Meisterschule, die mich stetig angetrieben hat, war, dass ich den Weg zum Programmie- rer einschlagen will. Ich habe mit vielen Kolleg:innen gesprochen, die da sind, wo ich hinwill, und habe mir daraus zusammen mit Daniel und Manfred Schallert einen Plan gemacht, wie ich da hinkomme. Und es scheint, als wärst du gut darin, deine Ziele zu er- reichen. Danke für das Gespräch Sayed und alles Gute für deinen weiteren Weg. 17